17 Jun 2010

Klimawandel könnte die Vertreibung von Millionen Menschen verursachen

2 Kommentare Umwelt und Klima Autor:

Die Hilfsorganisation CARE Deutschland-Luxemburg macht anlässlich des Weltflüchtlingstages am Sonntag, den 20. Juni auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Vertreibung und Migration aufmerksam. „Immer mehr Menschen müssen über kurz oder lang ihr Zuhause verlassen, weil sie dort keine Lebensgrundlage mehr haben. Das Klimaexil wird für sie zur bitteren Realität werden“, so Dr. Anton Markmiller, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg. Bereits heute seien Regen- und Dürreperioden unberechenbarer geworden, in Zukunft könnte auch ein ansteigender Meeresspiegel immer mehr Menschen in die Flucht treiben.

Weltweite Auswirkungen des Klimawandels (Quelle: CARE, 2010)

Meist würden die Menschen innerhalb ihres eigenen Landes umsiedeln oder in der Region bleiben. Das bedeute eine zusätzliche Last für die häufig ebenfalls armen Gemeinden, die neue Bewohner aufnehmen. „Diese gezwungene Migration könnte verhindert werden, wenn es ausreichende Anpassungsmaßnahmen gäbe, die auf die Bedürfnisse der ärmsten Menschen eingehen“, sagt Markmiller. Die Menschen bräuchten praktische Lösungsansätze wie beispielsweise dürre-resistentes Saatgut, alternative Einkommensmöglichkeiten sowie bessere Katastrophenvorsorge, um ihr Leben und ihren Besitz zu schützen.

Schlüsselergebnisse der Studie „Obdach gesucht: Auswirkungen des Klimawandels auf Migration und Vertreibung“

Der Klimawandel trägt bereits heute zu Migration und Vertreibung bei. Obwohl wirtschaftliche und politische Faktoren die dominierenden Antriebskräfte für Vertreibung und Migration sind, hat der Klimawandel schon spürbare Auswirkungen.

Der Zusammenbruch von Existenzgrundlagen, die vom Ökosystem abhängig sind, wird voraussichtlich eine der treibenden Kräfte von langfristiger Migration in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten sein. Der Klimawandel wird diese Situation verschlimmern, wenn die verwundbaren Bevölkerungsgruppen, darunter die Ärmsten der Armen, nicht dabei unterstützt werden, resistente Lebensgrundlagen aufzubauen.

Naturkatastrophen werden weiterhin eine treibende Kraft von Vertreibung und Migration sein. Da der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität von natürlichen Gefahren wie Wirbelstürmen, Fluten und Dürren erhöht, steigt auch die Zahl der vorübergehend Vertriebenen. Das betrifft besonders Länder, die nicht in der Lage sind, in Katastrophenvorsorge zu investieren und in denen die staatliche Antwort auf Katastrophen nur beschränkt ist.

Saisonale Migration spielt heute bereits eine wichtige Rolle dabei, wie Familien mit Umweltveränderungen zurechtkommen. Derartige Migration wird voraussichtlich noch häufiger stattfinden, genauso wie die Wanderung von Ort zu Ort, um Ökosysteme zu finden, die eine ländliche Existenz ermöglichen.

Das Schmelzen der Gletscher wird die großen landwirtschaftlichen Systeme Asiens beeinflussen. Wenn die Speicherkapazität von Gletschern abnimmt, steigt das Risiko von kurzfristigen Fluten. Dies wird mittel- und langfristig einen abnehmenden Wasserfluss zur Folge haben. Beide Konsequenzen der Gletscherschmelze können die Produktion von Nahrungsmitteln in einigen der am dichtesten bevölkerten Regionen der Erde bedrohen.

Meeresspiegel werden durch Versalzung, Überflutungen, Stürme, Erosionen und andere Küstengefahren steigen. Dies ist vor allem eine Bedrohung für Gemeinschaften, die auf Inseln leben. Es gibt starke Beweise dafür, dass die Auswirkungen des Klimawandels die Subsistenzlandwirtschaft und die kommerzielle Produktion zerstören.

In den dicht besiedelten Anrainergebieten von Ganges, Mekong und Nil kann ein Ansteigen des Meeresspiegels um einen Meter 23,5 Millionen Menschen betreffen und die Fläche, die derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, um 1,5 Millionen Hektar verringern. Steigt der Meeresspiegel um zwei Meter, wären zusätzliche 10,8 Millionen Menschen betroffen und mindestens 969.000 Hektar Land nicht mehr für die Landwirtschaft nutzbar.

Viele Menschen werden nicht in der Lage sein, weit genug vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu fliehen, es sei denn, sie erhalten Unterstützung. Migration funktioniert nicht ohne finanzielles, soziales und politisches Kapital, über das die am meisten betroffenen Bevölkerungsgruppen häufig nicht verfügen. Fallstudien zeigen an, dass ärmere Umweltmigranten sich am Ziel in ebenso prekären Umständen wiederfinden wie zuvor in ihrer Heimat.

Quelle: „Obdach gesucht: Auswirkungen des Klimawandels auf Migration und Vertreibung“, © 2009 CARE International und United Nations University. Verwendung genehmigt.

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2 Kommentare zu “Klimawandel könnte die Vertreibung von Millionen Menschen verursachen”

  1. Jasper Hartz says:

    man bemerke hier den Konjunktiv bei der Studie von CARE…In Ihrer Überschrift ist es ein Faktum…Vorsicht!

  2. admin says:

    Hallo Jasper,
    vielen Dank für die konstruktive Anmerkung. Ich habe die Überschrift geändert. Aus „Klimawandel verursacht die Vertreibung von Millionen Menschen“ ist „Klimawandel könnte die Vertreibung von Millionen Menschen verursachen“ geworden.

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