03 Jun 2010

Journalisten gehen hohes Risiko bei Recherchen zum Klimawandel ein

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Investigative journalistische Recherchen zu den Ursachen des Klimawandels sind weiterhin mit Gefahren verbunden. Dies ist eine der Schlussfolgerungen des am 3. Juni veröffentlichten zweiten Berichts von Reporter ohne Grenzen (ROG) über Umweltberichterstattung und Pressefreiheit. Mit der kurz vor dem „Tag der Umwelt“ am 5. Juni veröffentlichten Studie knüpft ROG an einen Bericht zur gleichen Thematik von September 2009 an.

Waldbrand in Brasilien (Quelle: Reporter ohne Grenzen / AFP)

Die schwierige und riskante Arbeitssituation investigativer Umweltreporter hat sich in den vergangenen Monaten nicht verändert. Einige der bereits im ersten Bericht erwähnten Medienmitarbeiter wie der brasilianische Herausgeber der Zeitschrift Jornal Pessoal, Lúcio Flávio Pinto, werden weiterhin juristisch verfolgt oder sind wie der usbekische Journalist Salidschon Abdurachmanow immer noch in Haft.

Dazu kommt eine Reihe neuer Fälle von gewalttätigen Übergriffen, Drohungen und Schikanen gegen Journalisten, juristischer Verfolgung von Medienmitarbeitern und Zensur. Viele der Reporter gingen umweltzerstörenden Praktiken von Öl-, Minen- und Holzunternehmen auf den Grund.

Ein Haupthindernis einer unabhängigen, tiefer gehenden Berichterstattung über Ursachen globaler Umweltprobleme ist die Komplizenschaft zwischen an Ressourcenraubbau beteiligten Unternehmen und lokalen Behörden. Milliardenschwere Branchen wie die Minen-, Öl- und Holzindustrie werden häufig in besonderer Weise von Regierungen protegiert, der Informationsfluss über skandalträchtige, hoch riskante Fördertechniken und umweltschädigenden Rohstoffabbau unterdrückt.

Stark tabuisiert sind beispielsweise in Vietnam Berichte über den Abbau von Bauxit, einem Aluminium-Erz: Eine Reihe von Journalisten und Blogger, die über die hochgiftigen Schlammrückstände berichteten, sind festgenommen worden. Im Februar 2010 wurde der Herausgeber einer Website, Nguyen Hue Chi, eine Woche verhört, sein Haus polizeilich durchsucht. Schon seit einigen Jahren reagiert die vietnamesische Regierung mit harten Zensurmaßnahmen und löste das einzige Institut im Land auf, das unabhängige Analysen zum Abbau von Bauxit geben konnte.

Auch das Problem der Abholzung, das in vielen Ländern mit großen Korruptionsaffären einher geht, ist eine Herausforderung für unabhängige Journalisten: Reporter, die sich etwa in Indonesien kritisch mit der Reduzierung der Waldflächen – seit 1950 um 70 Prozent – und illegaler Entwaldung auseinander setzen, müssen mit Repressionen rechnen. Es ist außerdem gängig, dass Holzunternehmen in dem südostasiatischen Land Journalisten bestechen, damit die Reporter kritische Artikel unterlassen.

In Nordargentinien hat sich ein Streit um die umweltschädigenden Auswirkungen von Kupferminen auf die Wasserqualität so aufgeheizt, dass Reporter auch zwischen die Fronten von Befürwortern und Gegnern des Minenprojekts geraten sind: In den Provinzen Catamarca und Chaco registrierte ROG Angriffe auf Journalisten sowohl von Sicherheitskräften, die im Dienste lokaler Politiker stehen, als auch von gewalttätigen Gegnern der Minenindustrie.

Mit diesem zweiten Bericht zu den Gefahren eines engagierten Umweltjournalismus will ROG die Rolle von Journalisten bei der Sammlung und Verbreitung von Informationen zu drängenden, globalen Umweltfragen in den Vordergrund stellen: „Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels helfen Medien, glaubhafte und unabhängige Diagnosen zur Situation unseres Planeten zu erstellen“, so ROG.

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