13 Aug 2010

Der „Jugendreport Natur 2010“ belegt Ahnungslosigkeit von Jugendlichen

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Seit rund zwei Jahrzehnten sind ausgehend vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Marburg junge Menschen nach ihrem subjektiven Verhältnis zur Natur befragt worden. Anfangs waren es vorwiegend seminaristische Studien, welche die Grundlage für den ersten Versuch eines umfassender angelegten „Jugendreports Natur“ aus dem Jahr 1997 legten. Seither wurden in regelmäßigen Abständen zusammengenommen knapp 15.000 Schüler der Sekundarstufe mit naturbezogenen Fragebögen zu Wissen und Werten sowie Vorlieben, Interessen und Erfahrungen konfrontiert.

Ergebnis aus dem Jugendreport Natur 2010 zum Thema Alltagswissen Wild

Thematisch handelt es sich bei den Jugendreports um Querschnittstudien, die ein breites Themenfeld abdecken. Sie machen deutlich, dass sich die Naturbeziehung von Jugendlichen (aber nicht nur von ihnen) durch zahlreiche Ungereimtheiten und Widersprüche auszeichnet. Abgesehen von notorischen Wissensdefiziten, wie sie ähnlich allerdings im letzten Jahrhundert von jeder Generation ihrem Nachwuchs zur Last gelegt wurde) sind hierfür u.a. auch ein inkonsistenter Naturbegriff, eine pseudoreligiöse Naturverklärung und ein ambivalenter Naturzugriff charakteristisch. Ihre empirischen Korrelate lassen sich durch folgende Schlagworte beschreiben:

Naturdistanz
Das Wissen junger Menschen über alltägliche Naturerscheinungen ist in hohem Maße lücken- und fehlerhaft. Ihr Interesse an natürlichen Zusammenhängen nimmt kontinuierlich ab. Ihr Bedarf an Naturnähe und Natürlichkeit fällt deutlich schwächer aus als bei Erwachsenen. Vielen erscheint alles, was mit Natur zu tun hat, einfach langweilig.

Natur-Paradox
Was ihr Verständnis von Natur betrifft, so reproduzieren Jugendliche die herrschende Meinung, dass sich wirkliche Natur durch die Unberührtheit von menschlichen Einflüssen auszeichnet. Menschliche Eingriffe haben eine unmittelbare Denaturierung von natürlichen Objekten zur Folge. Die Frage nach der Natur des Menschen führt zwangsläufig zu Widersprüchen und Zirkelschlüssen.

Bambi-Syndrom
Explizit darauf angesprochen, messen Jugendliche der Natur einen hohen Wert zu. Sie erscheint ihnen außerordentlich wichtig, gut, schön und harmonisch, aber auch verletzlich, bedroht und hilfsbedürftig. Daraus resultiert die nachdrückliche Aufforderung, sie zu schützen, sauber zu halten und nicht zu stören, sondern ihr zu helfen. Tiere und Pflanzen müssen gehegt werden. Das Jagen von Tieren und das Fällen von Bäumen schaden aus jugendlicher Sicht der Natur.

Störenfried-Komplex
Jeder menschliche Eingriff wird als illegitime Störung empfunden. Die unausweichliche Notwendigkeit einer massenhaften Nutzung der Natur zur Sicherung unserer materiellen Lebensbedingungen ist den meisten Jugendlichen nicht hinreichend bewusst. Man weiß eher wenig über den Zusammenhang von Naturressourcen und Konsumprodukten und neigt zur Verdrängung wirtschaftlicher Aspekte der Natur, während die individuelle, besonders die eigene Naturnutzung kaum Probleme bereitet.

Nachhaltigkeits-Falle
Das auf die Art der wirtschaftlichen Naturnutzung gemünzte Nachhaltigkeits-Postulat ist jungen Menschen von daher kaum zugänglich. Die Forderung nach einem nachhaltigen Umgang mit Natur begreifen sie stattdessen als moralisches Gebot nach Art des Bambi-Syndroms.

Weltbild-Parzellierung
Das Naturbild junger Menschen zerfällt in weitgehend unzusammenhängende Parzellen. Die Korrelationen zwischen Kenntnissen und Bekenntnissen, Naturerfahrungen und -einstellungen, Wertvorstellungen und Handlungen, Naturmoral und Freizeitvorlieben fallen gering aus. Besonders hoch ist der Bruch zwischen dem hoch aufgeladenen Wertehorizont einerseits und alltäglichen Naturumgang andererseits.

Quelle: Natursoziologie.de

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