06 Dez 2010

Klimaschutz-Index 2011: Deutschland weiterhin auf Platz 7

2 Kommentare Umwelt und Klima Autor:

Germanwatch und CAN Europe haben heute auf dem Klimagipfel in Cancún die sechste Auflage des jährlichen Klimaschutz-Index (KSI) vorgestellt. Der KSI 2011 vergleicht die 57 größten CO2-Emittenten auf Basis ihrer Emissionen und ihrer Klimapolitik. In diesem Jahr haben mehr als 190 Experten die Politik ihres Landes analysiert.

Klimaschutz Index 2011

„Kopenhagen brachte auf internationaler Ebene ein enttäuschendes Ergebnis. Darum sind wir positiv überrascht, dass im letzten Jahr einige Länder mit guten nationalen Initiativen reagiert haben“, so Jan Burck, Autor des Index und Referent bei Germanwatch. „Zum ersten Mal bewerteten die Experten die nationale Klimapolitik besser als die internationale. Wir müssen abwarten, ob diese nationale Dynamik hier in Cancún auf internationalem Level umgesetzt werden kann“.

In diesem Jahr liegen Brasilien, Schweden und Norwegen auf dem vierten bis zum sechsten Platz, gefolgt von Deutschland. Saudi Arabien, Kasachstan, Australien und Kanada bilden die Schlusslichter. Brasilien konnte den vierten Platz aus dem Vorjahr verteidigen. Die ersten drei Plätze blieben aber erneut frei. Diese sind reserviert für Länder, die genug Klimaschutz umsetzen, um unterhalb der globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius zu bleiben.

„Durch einen im Verhältnis zu anderen Ländern positiven Emissionstrend hat Deutschland das Potenzial im Klimaschutz-Index weiter vorne zu stehen als nur auf dem siebten Platz“, erläutert Burck. „Das Ergebnis zeigt aber: Trotz eines umfassenden Energiekonzeptes waren die Experten enttäuscht. Die festgelegten Reduktionsziele weisen zwar den Weg, werden aber nicht von denen zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen flankiert“, so Burck weiter. Vor allem die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und das damit verbundene Investitionshemmnis für Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz wurde kritisiert.

Die beiden größten Emittenten, China und die USA, sind im Vergleich zum Vorjahr abgerutscht. China liegt im KSI auf Platz 56, die USA auf Platz 54. Die USA zeigen eine sehr schlechte Leistung in Bezug auf die Emissionen und Klimapolitik. Chinas gute Politikbewertung verhindert ein stärkeres Abrutschen im Klimaschutz-Index. Bei einer einseitigen Betrachtung der nationalen Klimapolitikbewertung könnte China auf einem der ersten Ränge liegen. Die verbesserte chinesische Klimapolitik wird sich in Zukunft hoffentlich auch in einem besseren Emissionstrend widerspiegeln.

„China hat seine nationale Klimapolitik erst kürzlich verbessert. Dazu zählt eine Gesetzgebung, die auch die Erneuerbaren Energien unterstützt. Hier ist China bereits Marktführer“, sagt Matthias Duwe, Direktor von CAN Europe. „Dies ist ein gutes Beispiel für den Trend, dass die nationale Klimapolitik im Klimaschutz-Index insgesamt besser bewertet wurde. Eine Ausnahme sind die USA, wo der Senat die nationale Gesetzgebung blockiert hat. Dies hat auch für eine niedrige Platzierung gesorgt. Die Regierung von Obama ist deshalb jetzt gezwungen auf die bestehenden Gesetze zurückzugreifen, um Emissionen zu begrenzen“.

Methode und Hintergrund:

Der jährlich von Germanwatch und CAN Europe veröffentlichte Klimaschutz-Index vergleicht die Klimaschutzleistungen von 57 Industrie- und Schwellenländern, die zusammen für mehr als 90 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Er erscheint in diesem Jahr zum sechsten Mal und wurde zum Klimagipfel in Cancún mit den neuesten verfügbaren Daten aktualisiert. Er ermöglicht einen fundierten Ländervergleich, weil er nicht nur auf der Basis von Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) die Höhe der klimaschädlichen Emissionen eines Landes berücksichtigt – diese fließen mit einem Gewicht von 30 Prozent in die Indexberechnung ein – sondern gerade auch die Emissionstrends stark gewichtet (50 Prozent) und die Klimapolitik der Länder (20 Prozent) beurteilt. Eine Befragung nationaler Experten ergänzt den quantitativen Teil des Indexes und beurteilt die nationale wie internationale Klimapolitik der beteiligten Staaten im Detail.

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2 Kommentare zu “Klimaschutz-Index 2011: Deutschland weiterhin auf Platz 7”

  1. Umweltfreund says:

    In der GEO von Oktober 2010 steht:

    Auf dem Papier scheint Brasilien dem Ziel einer nachhaltigen Industrialisierung nahezukommen. Das „Climate Action Network“ platziert Brasilien im „Klimaschutzindex 2010“ daher auf dem weltweit besten Rang.

    Taugt Brasilien also zum Vorbild, an dem wir Klimavergifter der Alten Welt uns ein Beispiel nehmen sollten?

    Bloß nicht, sagt der Biologe Corey Bradshaw vom Umweltinstitut der Universität von Adelaide in Australien. Bradshaw hat die Ökobilanz von 179 Ländern weltweit analysiert. An erster Stelle seines Indexes steht, als schlimmster Umweltsünder: Brasilien – wegen großflächiger Abholzung, des Verlustes an Biodiversität, des massiven Einsatzes von Düngemitteln und der Wasserverschmutzung.

    Darüber sollte man mal nachdenken….

  2. Raphael says:

    Ich kann meinem Vorredner (-schreiber) nur beipflichten. Wie Brasilien auf den Platz 4 kommen soll (der ja im Grunde sogar Platz 1 wäre.) ist mir scheierhaft. Leider kenne ich die Situation in Brasilien aus eigener Erfahrung.

    Und, was noch schlimmer ist, als der Umgang Brasiliens mit den Ressourcen, das ist der Umgang des Landes mit seinen Menschen. Alleine die traurige Existenz der vielen Landlosen (sem terra) und die Lebensbedingungen in den riesigen Favelas (Slums) der Großstädte sind entsetzlich.

    Ich weiß schon: Kommentare sollten nicht zur massiven Eigenwerbung genutzt werden. Aber in dem Fall macht es doch Sinn: http://www.jkms.info/fotoausstellung/ DAS ist Brasilien! Leider.

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