25 Jan 2011

Was bedeutet “Social Entrepreneur”?

11 Kommentare Social Entrepreneurs Autor:

“Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. Was versteckt sich hinter dem Begriff “Social Entrepreneurs”?

Der Begriff Social Entrepreneurship ist neu, das Phänomen nicht. Es hat immer Social Entrepreneurs gegeben, und viele Institutionen sind durch sie entstanden. Das sagt einer, der es wissen muss. Günter Faltin hat die Stiftung Entrepreneurship ins Leben gerufen, ist Professor an der Freien Universität Berlin und hat dort den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufgebaut, er ist außerdem der Kopf hinter der Teekampagne. Für ihn sind Henri Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, oder Friedrich von Bodelschwingh, der bereits im 19. Jahrhundert eine Organisation ins Leben rief, die nach wirtschaftlichen Grundsätzen arbeitete und eigene Handwerksbetriebe, eine eigene Strom- und Wasserversorgung, Schulen und Ausbildungsstätten betrieb, gute Beispiele für frühe Social Entrepreneurs.

Was also ist ein Social Entrepreneur?

Wörtlich ist ein Entrepreneur jemand, der etwas “unter-nimmt” (französisch: “entre” und “prendre”). Im normalen Sprachgebrauch wird mit Entrepreneurship die Gründung eines Unternehmens bezeichnet. Der Begriff hat aber eine viel umfangreichere Bedeutung. Die meisten Ökonomen führen ihn auf Jean Baptiste Say zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück, der sagt: Entrepreneure schaffen Werte – durch höhere Produktivität und Innovation. Das englische “Social” vorangestellt, bekommt dieser Unternehmertypus gleich eine andere Bedeutung. Er verbindet wirtschaftliches Denken mit einer Vision. Sozial handeln, neue Ideen umsetzen und damit im Idealfall noch Geld verdienen – das zeichnet einen Sozialunternehmer aus. Auch wenn man seine Leistung nicht immer in Geld messen kann.

Muhammad Yunus

Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank

Als Ikone des Social Entrepreneurs gilt vielen Muhammad Yunus. Der Vater des Mikrofinanzkonzepts und Gründer der Grameen Bank revolutionierte das Verständnis und die Vorgehensweise in der Kreditvergabe. Denn lange Zeit herrschte die Meinung, dass Arme weder kreditwürdig seien und noch fähig zu sparen. Darüber hinaus waren bzw. sind sie für das konventionelle Bankensystem nicht rentabel, weil Kleinstkredite aus deren Sicht einen zu hohen Verwaltungsaufwand verursachen. Yunus, Wirtschaftsprofessor aus Bangladesch, schuf ein gänzlich neues System, bewies, dass die Armen gute Kreditrisiken sind und dass man eine Organisation aufbauen kann, die sich größtenteils selbst finanziert, Zinsen verlangt und erhält. Damit hat er gezeigt, dass man Kleinkredite zu einem tragfähigen ökonomischen System ausbauen kann, das gleichzeitig Entwicklung ermöglicht und Armut reduziert. Und dass Geld und sozialer Ausgleich sich nicht widersprechen müssen. Denn hinter Muhammad Yunus verbirgt sich kein ehrenamtlicher Sozialarbeiter, sondern ein gewinnorientierter Geschäftsmann mit sozialer Mission.

Gerade Indien gehört nach Meinung von Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forums und der Schwab Foundation für Social Entrepreneurs, zu den Ländern, in denen die innovativsten sozialen Unternehmer zu finden sind. Ihre Geschäftsmodelle und die teils recht einfachen Technologien werden mittlerweile in die ganze Welt exportiert. Das Barefoot College beispielsweise hat eine kostengünstige Alternative entwickelt, Regenwasser zu sammeln und wieder zu verwenden. So erhalten abgelegene Dörfer eine nachhaltige Trinkwasserversorgung. Der Ansatz des Colleges wurde bereits in gut 900 Gemeinden umgesetzt, nicht nur in Indien, sondern auch in Afghanistan, Äthiopien, Mauretanien, Senegal, Gambia, Sierra Leone und Mali. Die Arbeit der über 300 eigenen Wasseringenieure hat Unternehmensangaben zufolge mehr als 2,6 Millionen Kindern den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen ermöglicht.

Aber auch in Deutschland setzen sich ungewöhnliche Unternehmer mit ihren Ideen für eine bessere Welt ein. In Taufkirchen bei München bemühen sich Rupert Voss und Werner Makeller, jugendliche Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Mit ihrer Work & Box Company gehen sie dabei eigene Wege: Praktische Arbeit in der Schreinerei wird mit Boxunterricht kombiniert. Boxen soll den Jugendlichen helfen, sich mit ihren Ängsten und ihrer Gewalttätigkeit auseinanderzusetzen. Hilfe in der Schule und bei Bewerbungen darf natürlich nicht fehlen. Der Erfolg gibt Voss und Makeller recht: Bis zu 80 Prozent der jungen Männer bringen sie wieder in festen Arbeitsverhältnissen unter.

Hilfe durch Subventionen

Wer kein Geld vom Markt bekommt, weil seine Kunden nicht zahlen können, braucht Spenden, Subventionen und ehrenamtliche Helfer. Neben der Schwab Foundation ist Ashoka die bekannteste Organisation, die mit Social Entrepreneurs zu tun hat. Der weltweit tätige philanthropische Investor und Social Business Angel sucht jedes Jahr Unternehmer mit innovativen und bahnbrechenden Ideen für den sozialen Wandel aus. Seit dem Start 1980 hat die Organisation mehr als 2.000 Menschen aus 70 Ländern in ihr Netzwerk aufgenommen und den Neugründungen das notwendige Startkapital zur Verfügung gestellt. Dafür bereit steht ein operatives Budget von über 40 Millionen US-Dollar. Kopf hinter Ashoka ist Bill Drayton, den außerhalb der Gemeinwohlszene so gut wie niemand kennt. “Es war immer der soziale Wandel, der die Welt vorangetrieben hat”, glaubt der ehemalige McKinsey-Berater. Statt einer materiellen erhofft sich seine Stiftung jedoch eine vornehmlich immaterielle Rendite. So sollen die geförderten Unternehmen dazu beitragen, gesellschaftliche Probleme zu verringern. Allerdings ist der Ashoka-Gründer überzeugt: “Die Welt zu verbessern, ist eine Aufgabe für Unternehmer, nicht für Träumer.” Das bekannteste Mitglied des Ashoka-Netzwerks, Muhammad Yunus, hat für die neuen Philanthropen, die sich in der Öffentlichkeit gerne feiern lassen, wenig übrig. Er will keinen Ablass, er will eine neue Weltmoral. So ist er nicht beeindruckt von Bill Gates oder Warren Buffett, der amerikanische Unternehmer verschenkte immerhin 37 Milliarden Dollar. “Beeindruckend wäre gewesen, wenn Buffett mit seinen Milliarden und seinem Know-how eine Krankenversicherung gegründet hätte für die knapp 50 Millionen Amerikaner, die keine haben – das wäre ein Projekt gewesen.”

Wo der Staat versagt

Aber warum brauchen selbst Länder wie Deutschland Social Entrepreneurs? Regierungen und bestehende soziale Organisationen scheinen mit den Problemen nicht mehr richtig fertig zu werden – teils weil sie ineffizient arbeiten, teils weil sie unbeweglich sind. Hier springen die sozialen Unternehmer ein. Sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten.


Autorin: Sandra Klein. Der Artikel ist aus “MUM – Markt & Medien” (Ausgabe Mai 2010). Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der ÖKO-TEST Verlag GmbH.

Hier findest Du Beispiele für Social Entrepreneurs…

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11 Kommentare zu “Was bedeutet “Social Entrepreneur”?”

  1. Serie über Social Entrepreneurs: Die Work and Box Company hilft gewalttätigen Jugendlichen says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. Quelle: hand in gemeinnützige AG […]

  2. Serie über Social Entrepreneurs: XperRegio betreibt Regionalentwicklung in Oberbayern says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  3. Serie über Social Entrepreneurs: abgeordnetenwatch.de ist das virtuelle Wählergedächtnis says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  4. Serie über Social Entrepreneurs: ArbeiterKind.de bringt Kinder ohne akademischen Hintergrund an die Uni says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  5. Serie über Social Entrepreneurs: Das Ethno-Medizinische Zentrum kümmert sich um die Gesundheit von Migranten says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  6. Serie über Social Entrepreneurs: Die Elektrizitätswerke Schönau liefern ausschließlich grünen Strom says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  7. Serie über Social Entrepreneurs: JobAct hilft Langzeitarbeitslosen says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  8. Serie über Social Entrepreneurs: Die Regionalwert AG unterstützt nachhaltige Landwirtschaft says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  9. Serie über Social Entrepreneurs: co2online ist das Netzwerk für den Klimaschutz says:

    […] “Social Entrepreneurs” sind die neuen Helden der globalen Zivilgesellschaft. Sie wollen mehr erreichen als nur Wachstum und Gewinn, sie wollen die Welt besser machen. Und sie engagieren sich dort, wo der Staat Hilfen kürzt oder Unternehmen keine Gewinne erwarten. In dieser Serie stelle ich einige Social Entrepreneurs aus dem Ashoka Fellowship-Programm vor. […]

  10. Polarstern hilft bei der Energiewende in Deutschland und in Kambodscha says:

    […] gibt es wenige Social Entrepreneurs im Energiemarkt. Jetzt ist ein neues Unternehmen dazu gekommen: Der Energieversorger Polarstern […]

  11. Roger Hamilton says:

    Learning the depths of Social Entrepreneurship has
    made me realize many things in my own life. I have been
    taking the wrong approach towards life which took me towards
    the path I never wanted to take in the first place. Beginning
    with the crystal clear clarity about my goals and taking every
    one I know into consideration is the next step I intend to take
    very seriously.

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