12 Mai 2011

Die 15 größten Seeschiffe stoßen mehr Schwefeloxide aus als alle Autos weltweit

12 Kommentare Auto und Mobilität, Umwelt und Klima Autor:
Kreuzfahrtschiffe stoßen viel Schwefeloxid aus

© www.urlauberschiff-fritzheckert.de / pixelio.de

Pünktlich zum Hamburger Hafengeburtstag hat der NABU Bundesverband seine Kampagne „Mir stinkt’s! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!“ gestartet. „Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die 15 größten Seeschiffe der Welt stoßen jährlich mehr schädliche Schwefeloxide auf als alle 760 Millionen Autos weltweit. Und kein einziges der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe, die jetzt mit großen Fanfaren in Hamburg einlaufen, würde die Abgasnormen schaffen, die für Autos oder Lastwagen schon lange gelten“, sagte Alexander Porschke, Landesvorsitzender des NABU Hamburg, auf der Pressekonferenz zum Auftakt. „Insbesondere an den Küsten und in den Häfen leiden die Anwohner unter der giftigen Abgaswolke und haben im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll“, betonte Porschke. In der Nordsee werden bis zu 90 Prozent der Schiffsabgase innerhalb von 90 Kilometern Entfernung zur Küste in die Luft geblasen. „Hamburg schmückt sich mit dem Titel ‚Europäische Umwelthauptstadt‘, dann muss der Senat auch für eine bessere Seeschifffahrt sorgen und endlich etwa die lange versprochenen Landstromanschlüsse und ein umweltorientiertes Gebührensystem realisieren“, forderte Porschke.

Prof. Dr. James Corbett, einer der renommiertesten Experten für Schiffsabgase, unterstützt die Kampagne des NABU. Per Videobotschaft teilte er die Ergebnisse seiner Studien mit, die zeigen, dass die Schiffsemissionen weltweit jedes Jahr bis zu 60.000 vorzeitige Todesfälle verursachen. „Allein in Europa sterben daran bis zu 24.000 Menschen vorzeitig, die wachsende Zahl der Kreuzfahrtschiffe ist dafür mitverantwortlich, deshalb müssen wir dringend handeln“, so Corbett.

Statt auf vergleichsweise sauberen Schiffsdiesel zu setzen, verfeuern die Kreuzfahrtschiffe auf hoher See nach wie vor ungeniert Rückstandsöl (auch als Schweröl bezeichnet), den dreckigsten aller Kraftstoffe. „Was den Autos an Land längst verboten ist, ist für Schiffe skandalöser Alltag. Die Ozeanriesen sind schwimmende Müllverbrennungsanlagen, aber ohne Abgasreinigung. Hinter der polierten Fassade von AIDA, TUI und Queen Mary II stinkt es gewaltig“, kritisierte NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. Tatsächlich verweigern die blendend weißen Luxusliner bislang wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der gesundheitsschädlichen Rußpartikel- und Schwefelemissionen. „Mit gigantischem Marketingaufwand zeigen sich die Reedereien auf Hochglanzseiten – doch tatsächlich blasen ihre Luxusliner riesige Abgaswolken in die Luft, selbst wenn sie in Hafenstädten mit laufendem Motor vor Anker liegen. Deshalb muss hier zuerst angesetzt werden“, so Oeliger.

„Wir wollen endlich wirksame Maßnahmen sehen, dafür müssen die Kreuzfahrtunternehmen ihren Kurs ändern indem sie endlich auf die Verbrennung des Sondermülls Schweröl verzichten und auf Schiffsdiesel umsteigen“, sagte NABU-Kampagnenleiterin Lucienne Damm. Das sei ein sofort umsetzbarer Schritt, um die gefährlichen Ruß-, Schwefel-, und Stickoxidemissionen erheblich zu reduzieren. Auch Rußfilter, bei Diesel-Pkw oder Lastwagen seit Jahren Standard, ließen sich dann auf Schiffen installieren. „Für kleinere Schiffe und Motoren gibt es diese Technik bereits, für die weitere Entwicklung auch für große Schiffe, ist die Kooperation mit den Kreuzfahrtschiffbetreiber nötig“, erklärte Damm. So fordert der NABU insbesondere die Reedereien der deutschen Marktführer AIDA und TUI auf, endlich mit gutem Beispiel voranzugehen. „Eine intakte Umwelt ist das Kapital jeder Kreuzfahrtreise, deshalb muss die Luftverpestung der Ozeanriesen endlich ein Ende haben“, so der NABU.

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12 Kommentare zu “Die 15 größten Seeschiffe stoßen mehr Schwefeloxide aus als alle Autos weltweit”

  1. Matthias says:

    Sind denn nicht auch die veränderten Relationen zu sehen? Ein Kreuzfahrtschiff besitzt sehr viel mehr Masse, die es zu bewegen gilt als ein Auto. Daher sind die Abgase auch höher.
    Die genannten Zahlen der verursachten Todesfälle finde ich allerdings erschreckend. Doch was ist hier die genaue Todesursache? Wie kann man die Abgase als einflussnehmenden Faktor ausmachen?

  2. Martin says:

    Dann gehören die Kreuzfahrtschiffe doch verboten! Die reichen Leute machen auch noch das letzte Stück Natur kaputt, wenn niemand eingreift.

  3. Sven says:

    So einfach: Was glaubt Ihr denn wo der Schwefelanteil hingewandert ist, der seit Jahren im KFZ-Treibstoff nicht mehr zulässig ist…

  4. Schiffe bringen den Dreck in unsere Städte!Clixoom Science & Fiction says:

    […] Das muss man sich mal vorstellen! In der Automobilindustrie kämpft man gegen hohe Emissionswerte und in der Schifffahrt? Hat die irgendjemand vergessen? Scheint so. In einer Studie von Prof. Dr. James Corbett ist sogar die Rede von 60.000 Toten. Diese würden jährlich durch diese enorme Emmissionsbelastung der Schiffe sterben. Lucienne Damm appeliert folgendermaßen an die Unternehmen: „Wir wollen endlich wirksame Maßnahmen sehen, dafür müssen die Kreuzfahrtunternehmen ihren Kurs ändern indem sie endlich auf die Verbrennung des Sondermülls Schweröl verzichten und auf Schiffsdiesel umsteigen“. Hoffen wir, dass die Redereien der Automobilindustrie folgen und umweltfreundlichere Schiffe einsetzen/entwickeln. Denn was nützen uns die „sauberen“ Autos, wenn die Schiffe weiterhin den Dreck in die Stadt bringen? Mehr dazu: http://www.notopia.net/blog/2306/kreuzfahrtschiffe-schwefeloxid […]

  5. Margarete says:

    Skandal!

  6. sigurd says:

    Und was ist mit den zehntausenden Flugzeugen, die täglich die Atmosphäre rund um den Erdball regelrecht verpesten?

    Da geht keiner ran, weil viele mit dem Flieger in Urlaub brausen und die Politiker tagtäglich fliegen, um andere Länder auf Staatskosten anzuschauen.

  7. Mona says:

    Es ist aber eine Menge Leute einfach gerne irgendwo am Rande der Erde reisen. Ich bin keine Ausnahme. Ich habe auf dieser Tour https://poseidonexpeditions.com/de/ships/. Er mochte mich sehr.

  8. adeptos says:

    ja – Mona – gell – wir Reisen einfach gerne irgendwo am Rand der Erde.
    Ich habe noch KEINEN RAND der Erde gesehen !
    Lebe aber immer noch und Verzichte gerne darauf – mitzuhelfen die Welt zu VERPESTEN !
    Dabei Denke ich an die Bewohner der Regionen welche IHR Schmarotzer mit euren Luxuslinern „Besucht“.
    mit Vorzüglicher Verachtung – ein „Geistig Reisender“

  9. adeptos says:

    @Matthias….Dein „Bewusstsein“ scheint mir auch „Relativ“ Klein zu sein – damit meine ich in „Relation“ dazu – dass DU Wahrscheinlich ein „Mensch“ bist.

    Du meinst also – weil ein solcher Luxusdampfer in Bezug zu einem Auto „Relativ“ grösser ist – so darf dieser Dampfer auch „Relativ“ MEHR DRECK AUSSTOSSEN IN BEZUG ZU SEINER GRÖSSE.
    Es Verwundert mich dass DU nicht noch geschrieben hast dass ein Dampfer ja auch mehr Menschen und Transportgut aufnehmen kann in „Relation“ zu einem >Auto !
    Kein Wunder ist die „WELT DERMASSEN VERSCHMUTZT“ wenn 85% der „Personen“ so DENKEN wie DU !
    Wenn ich solche „Kommentare“ lese wie Deiner einer ist könnte ich schon wieder kotzen!
    Solltest mal Deinen „Grau Verschmutzten BewusstseinsVorhang“ Waschen – am besten mit Ariel …..

  10. Eckart says:

    Mal etwas rechnen, und zwar über die Summe der Leistung um auf den jeweils verbrannten Treibstoff schließen zu können.

    760 Mio.Autos mit ca. 75 Ps/ Auto ergeben in Summe 57 Mrd. PS

    15 Luxusdampfer mit jeweils 70000 PS ergeben zusammen 1,05 Mio.PS

    Der PKW Anteil ist also PS-verbrauchsmäßig um mehr als das 54000 fache höher.
    Um 1PS zu erzeugen benötigt man etwa 125 Gramm Dieselöl. Da kann nun jeder selbst nachrechnen wer mehr Dieselabgas/Schadstoffoxide erzeugt.

    Es ist auch falsch, dass Passagierschiffe mit Schweröl fahren – sie haben alle moderne Mittelschnelläufermotoren – und die laufen nur mit Dieselöl!

    Jeder kann sich nun selbst nachrechen, und wird dann feststellen, dass der Artikel keinen Bezug zur Wahrheit hat.

  11. Dany says:

    Nur so zur Info: Flugbenzin ist von der Güte her zwischen Benzin und Diesel anzusiedeln. Leider habe auch ich noch nie ein Flugzeug mit Kat oder Russpartikelfilter gesehen.

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