28 Mai 2011

Was bedeutet die Wertstofftonne für den Verbraucher?

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Was bedeutet die Wertstofftonne für den Verbraucher?

Quelle: Rolf van Melis / pixelio.de

1991 wurde mit der Einführung der Verpackungsverordnung in Deutschland der Grundstein für die getrennte Sammlung von Abfällen in deutschen Haushalten gelegt. Damals noch neue Begriffe wie gelbe Tonne oder „Der Grüne Punkt“ sind inzwischen jedem Verbraucher bekannt. Eine Verbraucherbefragung der Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e.V. hat ergeben, dass es mehr als 90% der Verbraucher gut finden, Wertstoffe getrennt zu sammeln, um sie dem Recycling zuzuführen.

Die Bundesregierung muss nun die EU Richtlinie 2008/98/EG vom 19.11.2008 umsetzen. Dabei soll die Wertstofftonne eingeführt werden, um die werthaltigen Abfälle aus privaten Haushalten effizienter als bisher zu erfassen, sie hochwertig zu verwerten und um deren Ressourcenpotential nachhaltiger zu nutzen. Am 30.03.2011 wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes durch die Bundesregierung beschlossen, über den nun in den parlamentarischen Gremien entschieden wird.

Doch was genau bedeutet die Wertstofftonne für den Verbraucher?

Während in der gelben Tonne oder dem gelben Sack bisher ausschließlich Verpackungsabfälle gesammelt werden, sollen über die Wertstofftonne zukünftig „stoffgleiche Nichtverpackungen“ gesammelt werden. Stoffgleiche Nichtverpackungen sind Gegenstände, die aus den gleichen Materialien (Kunststoff oder Metall) wie der Verpackungsmüll bestehen, aber keine Verpackungen sind, sondern Produkte wie z.B. Pfannen, Töpfe, Schüsseln, Dekoartikel, altes Spielzeug usw. Noch ist unklar, ob auch alte Elektrogeräte wie Handys, Radios oder Computerzubehör in der Wertstofftonne entsorgt werden dürfen. Dies wird erst im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens oder in einer möglichen Wertstoffverordnung festgelegt.

Unklar ist derzeit auch noch, ob die Wertstofftonne tatsächlich in Form einer zusätzlichen Tonne zur gelben Tonne bzw. dem gelben Sack eingeführt wird. Über die konkrete Ausgestaltung gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Diese reichen von der Einführung einer zusätzlichen roten Wertstofftonne über einen roten Sack, der in die gelbe Tonne geworfen wird, bis zu einer gemeinsamen Sammlung nur über die gelbe Tonne.

Die unterschiedlichen Vorstellungen hängen vermutlich damit zusammen, dass es bei diesem Thema um viel Geld geht. Haben die Abfälle einen Wert, weil sie über das Recycling wieder zu nachgefragten Rohstoffen gemacht werden können, so möchten sowohl die Kommunen als auch die dualen Systeme ihre Anteile an dem Sammelgemisch nicht durch eine gemeinsame Sammlung verwischen oder verlieren. Derzeit zeichnet sich deshalb ab, dass es regional sehr unterschiedliche Lösungen für die Wertstofftonne geben wird. Es bleibt zu hoffen, dass am Ende eine bürgerfreundliche Lösung entsteht. Eine weitere Tonne, die Platz wegnimmt, ist wohl nicht für jeden Bürger optimal.

Unabhängig von den derzeit noch offenen Fragen, ist die Einführung einer Wertstofftonne aus ökologischer Sicht ein sinnvoller Beitrag zur Verbesserung der Ressourceneffizienz. Um eine möglichst gute Lösung für die offenen Fragen zu finden, läuft derzeit unter Beteiligung der verschiedenen Akteure am Markt ein Planspiel zur Fortentwicklung der Verpackungsverordnung, das vom Umweltbundesamt im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut wird. Bleibt abzuwarten, was dabei herauskommt…


Dieser Gastbeitrag ist von Nicola, die als Juristin im Bereich Verpackungsverordnung und Abfallentsorgung tätig ist. Vielen Dank!

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