20 Jun 2011

Wann kommt die Klima-Skala für umweltfreundliche Autos?

1 Kommentar Auto und Mobilität Autor:

Erinnert sich noch jemand an die Klima-Skala für Neuwagen? Wartet Ihr darauf? Das erste Mal habe ich im Mai 2010 von der farblichen Kennzeichnung für Autos gehört, die an das Energieeffizienz-Label für Elektrogeräte wie Waschmaschinen & Co. angelehnt ist. Sieben Effizienzstufen von „A“ wie sehr sparsam bis „G“ wie wenig sparsam oder besser gesagt stellvertretend für einen hohen Verbrauch / eine hohe CO2-Emission sollen eine Entscheidungshilfe für umweltbewusste Autokäufer sein. Auf der anderen Seite war die Klima-Skala ursprünglich vielleicht auch als „Druckmittel“ für die Autoindustrie gedacht, noch effizientere Autos als bisher zu bauen. Klingt gut, oder? Aber wo ist sie heute – mehr als ein Jahr danach?

Klima-Skala aus Großbritannien. Quelle: Low Carbon Vehicle Partnership (LowCVP)

Klima-Skala aus Großbritannien. Quelle: Low Carbon Vehicle Partnership (LowCVP)

Bei unseren Nachbarn Holland, Portugal und Großbritannien klebt sie schon lange in der Windschutzscheibe von Neuwagen. In Deutschland werden Neuwagen seit 2004 mit Angabe von Verbrauch und CO2-Emission als Zahlenwert verkauft, fünf Jahre nach EU-Beschluss. Mir sagt eine CO2-Emission von 142 g/km in etwa so viel wie die Angabe des Kofferraumvolumens mit 430 Litern. Umgerechnet in 12 Kästen Wasser kann ich mir die Größe des Kofferraums allerdings ganz gut vorstellen. Ein grünes „A“ oder gelbes „D“ fällt genau in dieselbe Kategorie.

Einführung der Klima-Skala im Herbst 2011

Die „Nationale Plattform Elektromobilität“ (NPE) – gegründet am 3. Mai 2010 – setzt sich aus Vertretern der Automobilindustrie, Wissenschaft und Politik zusammen. Heute, eine ganzes Jahr nach der Veröffentlichung der Eckdaten für die Klima-Skala durch die NPE, sind die Medien voll von der den Automarkt komplett umkrempelnden technischen Revolution Elektroauto. Und das ist auch gut so. Weniger gut ist, wenn Konzepte wie die Einteilung herkömmlicher Autos in Effizienzstufen so lange auf sich warten lassen. Schließlich stellen Benziner und Diesel noch für lange Zeit die Masse an Fahrzeugen in Deutschland. Im Herbst 2011 soll es endlich soweit sein, die Klima-Skala für Neuwagen wird eingeführt, richtig heißt sie Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV).

Deutschland: 1 Million Elektroautos in 9 Jahren

Häufiger als das liest man: Bis 2020 will sich Deutschland zum Marktführer in Sachen Elektromobilität entwickeln. Hierzulande sollen bis dahin 1 Million Elektroautos nahezu geräuschlos und ohne CO2-Emission auf Deutschlands Straßen fahren. Zugelassen sind aktuell 2.300 Elektroautos, davon verschwindend gering im privaten Bereich. Ist das Ziel in der Zeit zu erreichen? An mangelnder Kaufbereitschaft liegt das nicht. Viele Studien, u.a. von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im September 2010 durchgeführt, bescheinigen den deutschen Autokäufern generelles Interesse am Elektroauto und damit Umweltbewusstsein, auch beim Autokauf. Die Hürden, die man beim Kauf eines Elektroautos überwinden muss, sind aber nach wie vor hoch: Die zu geringe Reichweite von Elektroautos, ein zu hoher Preis im Vergleich zu „normalen“ und trotzdem sauberen Autos mit z. B. Spritspartechnologien wie in BlueMotion von VW, ecoFLEX bei Opel oder ECOnetic bei Ford gebündelt und die zu lange Ladezeit sind nicht ohne Weiteres und für jeden zu überwinden. Auch wenn am Institute of Technology in Massachusetts gerade an „flüssigen“ Batterien getüftelt wird, was den Preis und die Ladezeit für Elektroautos reduzieren sowie das Problem der Reichweite aus der Welt schaffen könnte. Was bleibt: Nur sauberer Strom macht ein Elektroauto zu einem wirklich umweltfreundlichen Auto.

Alternative Antriebe: Hybrid, Erdgas, Wasserstoff, Brennstoffzellen

Opel Ampera

Opel Ampera. Quelle: General Motors Company (GM)

Die aktuellen (und zukünftigen) Alternativen sind Erdgas-Autos, Autos mit Wasserstoffantrieb, Brennstoffzellen-Autos, Autos mit Hybridtechnik (Benziner und Elektroantrieb in Kombination). Auf dem Markt erhältlich ist z. B. die bereits dritte Generation des Hybrid-Autos Toyota Prius ab 25.750 Euro. Das Warten auf den Hoffnungsträger Opel Ampera (Elektroauto mit Reichweitenverlängerung via Verbrennungsmotor) ist mit Verkaufsstart Ende 2011 vorbei. Der Listenpreis liegt bei 42.900 Euro. Das Auto des Jahres 2011 Nissan LEAF mit einem 80 kW Elektromotor und 160 km Reichweite kommt Ende 2011 für 32.000 Euro auf den Markt.

Kritik an der Klima-Skala: Große, schwere Autos schneiden zu gut ab

Auch die großen und im Allgemeinen gerade sehr beliebten SUVs (Sports Utility Vehicle = sportliche Geländewagen) wie VW Touareg, Porsche Cayenne oder BMX X6 gibt es als Hybrid-Version. Und da bin ich wieder am Anfang der Story bzw. da, worauf ich eigentlich hinaus wollte. Wo bleibt die Klima-Skala für Neuwagen? Für mich, den umweltbewussten Otto-Normal-Autofahrer? Doch im gerade erst veröffentlichten 2. Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität ist keine Rede von der Klima-Skala. Liegt es daran, dass das Modell der Bundesregierung für eine Neuwagen Klima-Skala seit Beginn besonders von Umweltverbänden scharf kritisiert wird? Große Geländewagen wie der Porsche Cayenne Hybrid mit einer CO2-Emission von 193 g/km bekämen ein grünes „B“. Kleinwagen wie der Citroen C1 mit dagegen nur 106 g/km CO2-Emission würden ein gelbes „D“ bekommen. Das passiert, weil die Klima-Skala auf dem Gewicht der deutschen Neuzulassungen des Jahres 2008 basiert. Ein Gegenmodell mit anderer Berechnungsgrundlage gibt es vom Verkehrsclub Deutschland, der das Konzept in einem Interview im Neuwagen-Blog von MeinAuto.de im Detail erklärt hat.

Neues Online-Portal Clean Vehicle

Bevor in Deutschland die Klima-Skala eingeführt wird, gibt es vielleicht schon eine einheitliche EU-weite Lösung. Anfang Dezember 2010 hat die EU-Kommission mit dem Clean Vehicle Portal eine Online-Datenbank gelauncht, die einen sehr guten Überblick über sparsame Autos gibt und auch die realen Kosten der Nutzung berechnet. Der Verbrauch, die CO2-Emission und die Höhe der Kfz-Steuer gehören neben dem Anschaffungspreis und der Größe des Autos zur Top 5 der wichtigsten Kriterien beim Autokauf.

Nach einer Berechnung von Eurotax Schwacke, basierend auf dem Klima-Skala Modell der Bundesregierung, hier eine Übersicht der effizientesten Autos – Kennzeichen A+:

  • Skoda Fabia 1.2 TDI GreenLINE
  • VW Polo 1.2 TDI BlueMotion
  • Toyota Auris (Hybridauto)
  • Toyota Prius (Hybridauto)
  • Lexus CT200h (Hybridauto)
  • Volvo V50 DRIVe
  • Volvo S40 DRIVe
  • Skosa Octavia 1.6 TDI GreenLINE

Dieser Gastbeitrag ist von Jana Henning, die als Online-Redakteurin u.a. für das Neuwagenportal MeinAuto.de schreibt. Vielen Dank!

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Ein Kommentar zu “Wann kommt die Klima-Skala für umweltfreundliche Autos?”

  1. 20 Neuwagen mit Effizienzklasse A+ im “Energiepass” | AutoMagazin says:

    […] wurde um die Effizienz-Skala für Neuwagen gerungen. Am Ende ging es dann doch ziemlich schnell und nicht ohne Zähneknirschen. Soweit mein […]

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