Schlagwort: schlechte Nachrichten

08 Jul 2010

Politiker stimmen gegen die Verbesserung der Kaninchenmast

Keine Kommentare Gesundheit und Ernährung, Nachhaltiger Konsum

Im März diesen Jahres hatte die Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, Ilse Aigner, noch großmundig Verbesserungen bei der Haltung von Mastkaninchen angekündigt. Nun heben die Vertreter von Schwarz-Gelb genau für das Gegenteil den Arm zur Abstimmung. Verbesserungen wurden mit der Mehrheit der Koalition abgelehnt.

VIER PFOTEN Mitarbeiter Marcus Müller ist entsetzt: „Es herrscht akuter Handlungsbedarf!“ Millionen von Mastkaninchen in Deutschland leben in engen Käfigbatterien – unter Bedingungen, die bei allen weiteren Nutztierarten strafbare Tierquälerei wären. Kannibalismus, Selbstverstümmelung und Todesraten über zwanzig Prozent gehören bei den Mastkaninchen zum Alltag.

VIER PFOTEN hatte im März Bildmaterial aus Kaninchenmastanlagen in fünf Bundesländern veröffentlicht. Die Bilder von verstümmelten Tieren, überfüllten Käfigen und verwesenden Kadavern erschütterten Deutschland.

Marcus Müller erklärt: „Die Politik sollte sich ein Beispiel an der Wirtschaft nehmen. Während der CDU/CSU und FDP Tiere mal wieder egal sind, haben REWE, LIDL, tegut, Famila , ALDI Süd und weitere Supermarktketten bereits Konsequenzen gezogen und verzichten freiwillig auf Kaninchenfleisch.“ Auch die Bauern erkennen mehr und mehr die Zeichen der Zeit: Die Anzahl der abgebauten Käfigbatterien steigt, sie werden durch Bodenhaltung mit Platz zum Hoppeln und Heu zum Knabbern ersetzt.

Die Experten der Bundestierärztekammer bezeichnen die Kaninchenhaltung im Batteriekäfig ebenso als eindeutige Tierquälerei. Für Marcus Müller ist die Entscheidung der Politik unverständlich: „Wir von VIER PFOTEN fordern, dass die Politik endlich die Unumgänglichkeit eines Verbots für Mastkaninchenhaltung in Käfigen erkennt. Es ist schon erstaunlich, dass sich die deutsche Koalition selbst von der Lobby der knapp hundert Kaninchenmäster Deutschlands vor den Karren spannen lässt.“

17 Jun 2010

Klimawandel könnte die Vertreibung von Millionen Menschen verursachen

2 Kommentare Umwelt und Klima

Die Hilfsorganisation CARE Deutschland-Luxemburg macht anlässlich des Weltflüchtlingstages am Sonntag, den 20. Juni auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Vertreibung und Migration aufmerksam. „Immer mehr Menschen müssen über kurz oder lang ihr Zuhause verlassen, weil sie dort keine Lebensgrundlage mehr haben. Das Klimaexil wird für sie zur bitteren Realität werden“, so Dr. Anton Markmiller, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg. Bereits heute seien Regen- und Dürreperioden unberechenbarer geworden, in Zukunft könnte auch ein ansteigender Meeresspiegel immer mehr Menschen in die Flucht treiben.

Weltweite Auswirkungen des Klimawandels (Quelle: CARE, 2010)

Meist würden die Menschen innerhalb ihres eigenen Landes umsiedeln oder in der Region bleiben. Das bedeute eine zusätzliche Last für die häufig ebenfalls armen Gemeinden, die neue Bewohner aufnehmen. „Diese gezwungene Migration könnte verhindert werden, wenn es ausreichende Anpassungsmaßnahmen gäbe, die auf die Bedürfnisse der ärmsten Menschen eingehen“, sagt Markmiller. Die Menschen bräuchten praktische Lösungsansätze wie beispielsweise dürre-resistentes Saatgut, alternative Einkommensmöglichkeiten sowie bessere Katastrophenvorsorge, um ihr Leben und ihren Besitz zu schützen.

Schlüsselergebnisse der Studie „Obdach gesucht: Auswirkungen des Klimawandels auf Migration und Vertreibung“

Der Klimawandel trägt bereits heute zu Migration und Vertreibung bei. Obwohl wirtschaftliche und politische Faktoren die dominierenden Antriebskräfte für Vertreibung und Migration sind, hat der Klimawandel schon spürbare Auswirkungen.

Weiterlesen

17 Jun 2010

Keine Modernisierung des Bundeswaldgesetzes

Keine Kommentare Umwelt und Klima

Das Bundeswaldgesetz stammt aus dem Jahre 1975 und bildet die rechtliche Grundlage für die Waldbewirtschaftung. Der NABU vertritt den Standpunkt, dass es einer dringenden Erneuerung bedarf, denn die Rahmenbedingungen haben sich seitdem verändert. Klimawandel, Schadstoffbelastung und der anhaltende Verlust der biologischen Vielfalt sind Probleme, die es zu bewältigen gilt.

Keine Modernisierung des Bundeswaldgesetzes

Keine Modernisierung des Bundeswaldgesetzes (Quelle: pixelio.de, 2010)

Für eine solche Modernisierung des Bundeswaldgesetzes gab es schon drei erfolglose Anläufe. Anlässlich des aktuellen Reformversuchs hat der NABU eine ernüchternde Bilanz gezogen. „Dies ist ein schwarzer Tag für den Wald, denn der vorliegende Entwurf zur Änderung des Bundeswaldgesetzes ist absolut unzureichend. Er liefert keine Antworten auf die gestiegene Holznachfrage, den Klimawandel und den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Mit der Änderung des Bundeswaldgesetzes hätte Schwarz-Gelb die Möglichkeit gehabt, den vielen verbalen Bekenntnissen zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft in Deutschland endlich handfeste Taten folgen zu lassen. „Anscheinend liegt den Regierungsparteien nichts an einem klaren Bekenntnis zur nachhaltigen Forstwirtschaft, stattdessen bleiben sie lieber unkonkret und unverbindlich“, kritisierte Miller. Das sei reine Klientelpflege, der Wald gehe dabei leer aus. Aus NABU-Sicht ist es unverständlich, dass sich die Lobby der Waldbesitzer und große Kreise der Forstwirtschaft so vehement gegen ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit im Bundeswaldgesetz sträuben.

„Der Aufbau naturnaher Wälder, der Verzicht auf Kahlschläge, der Schutz des Bodens und die Förderung der biologischen Vielfalt sind für jeden vernünftigen Waldbesitzer und Förster selbstverständliche Ziele. Sie gelten in Bayern genauso wie in Schleswig-Holstein. Die Forstwirtschaft klopft sich immerzu selber auf die Schulter, wie hervorragend und nachhaltig sie angeblich ist, wenn es aber darum geht, Farbe zu bekennen, werden alle blass“, sagte NABU-Waldexperte Johannes Enssle.

Dabei gehe es darum, endlich allgemeingültige Grundsätze für eine moderne und nachhaltige Waldwirtschaft zu formulieren. „Aus meiner Sicht wäre das doch eher ein Lob und eine Bestätigung für all diejenigen, die schon seit Jahrzehnten die sogenannte gute fachliche Praxis im Wald umsetzen und dies zum Beispiel durch eine Zertifizierung dokumentieren“, so Enssle. Spekulanten und Investoren, die mit dem Kauf von Wald kurzfristig Profit machen wollten, könnte so leichter das Handwerk gelegt werden.

14 Jun 2010

Dosen und Plastikeinwegflaschen sind Gift für die Umwelt

Keine Kommentare Nachhaltiger Konsum

Ob gemeinsames Fußballgucken, Grillen im Park oder der Ausflug ins Grüne – im Sommer sind meistens Getränkeflaschen mit von der Partie. Der NABU appelliert an Verbraucher, beim Getränkekauf auf Mehrwegflaschen aus Glas- oder PET zu achten. Auch Getränkekartons und Beutel seien der Einwegflasche vorzuziehen. Wegen fehlender Kennzeichnung, empfiehlt es sich, umweltschädliche Einwegbehälter mit einem Pfandbetrag von 25 Cent zu meiden. Besonders bedenklich ist, dass Discounter wie Penny sogar die Blechdose wieder gelistet haben. Der NABU fordert den Handel auf, diesem Beispiel nicht zu folgen.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Dose und Plastikeinwegflasche muss die Rote Karte gezeigt werden. Es darf keine Rolle rückwärts bei umweltschädlichen Getränkeverpackungen geben.“ Der Marktanteil umweltfreundlicher Getränkeverpackungen ging trotz Dosenpfand dramatisch zurück. Statt der gesetzlich angestrebten Quote von 80 Prozent werden nur noch 50 Prozent erreicht. Bei den alkoholfreien Getränken sind nur mehr 30 Prozent zu verzeichnen. Das Pfand allein kann diesen Trend offensichtlich nicht mehr umkehren.

Daher präsentierte der NABU im vergangenen Jahr einen Vorschlag für eine Steuer auf Getränkeverpackungen. Sie gewinnt nun auch mit Blick auf die bundesdeutsche Haushaltslage immer mehr an Bedeutung. „Eine nach einfachen Umweltkriterien gestaffelte Steuer auf Getränkeverpackungen kann nicht mehr nur die Mehrwegquoten retten, sondern auch dazu beitragen, den Bundeshaushalt zu konsolidieren. Umwelt- und Haushaltspolitiker aller Fraktionen sollten diesen Vorschlag für mehr Nachhaltigkeit ernsthaft in Erwägung ziehen“, so Miller.

Die von Materialart und -menge abhängige Steuer brächte beim derzeitigen Boom der Einwegflaschen jährlich 3,3 Milliarden Euro ein. Die Umweltabgabe bevorteile umweltfreundliche Flaschen und Behälter. Jährlich könnten so bis zu 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid und 400.000 Tonnen Plastikmüll vermieden werden.

„Diese oft bezweifelte Lenkungswirkung umweltorientierter Abgaben ist vielfach bewiesen, wie die jüngsten Analysen zur Ökosteuer gezeigt haben. Auch die staatliche Verteuerung sogenannter Alkopop-Getränke erfüllte ihre gewollte Wirkung“, erläuterte NABU-Abfallexperte Benjamin Bongardt. Die Getränkeverpackungssteuer sei ein eindeutiges Preissignal für Abfüller und Verbraucher. „Sie belohnt den ökologischen Konsum, stärkt die Abfallvermeidung und erteilt dem Profitstreben von Herstellern und Discount-Händlern auf Kosten der Umwelt eine Absage“, so Bongardt weiter.

03 Jun 2010

Journalisten gehen hohes Risiko bei Recherchen zum Klimawandel ein

Keine Kommentare Umwelt und Klima

Investigative journalistische Recherchen zu den Ursachen des Klimawandels sind weiterhin mit Gefahren verbunden. Dies ist eine der Schlussfolgerungen des am 3. Juni veröffentlichten zweiten Berichts von Reporter ohne Grenzen (ROG) über Umweltberichterstattung und Pressefreiheit. Mit der kurz vor dem „Tag der Umwelt“ am 5. Juni veröffentlichten Studie knüpft ROG an einen Bericht zur gleichen Thematik von September 2009 an.

Waldbrand in Brasilien (Quelle: Reporter ohne Grenzen / AFP)

Die schwierige und riskante Arbeitssituation investigativer Umweltreporter hat sich in den vergangenen Monaten nicht verändert. Einige der bereits im ersten Bericht erwähnten Medienmitarbeiter wie der brasilianische Herausgeber der Zeitschrift Jornal Pessoal, Lúcio Flávio Pinto, werden weiterhin juristisch verfolgt oder sind wie der usbekische Journalist Salidschon Abdurachmanow immer noch in Haft.

Dazu kommt eine Reihe neuer Fälle von gewalttätigen Übergriffen, Drohungen und Schikanen gegen Journalisten, juristischer Verfolgung von Medienmitarbeitern und Zensur. Viele der Reporter gingen umweltzerstörenden Praktiken von Öl-, Minen- und Holzunternehmen auf den Grund.

Ein Haupthindernis einer unabhängigen, tiefer gehenden Berichterstattung über Ursachen globaler Umweltprobleme ist die Komplizenschaft zwischen an Ressourcenraubbau beteiligten Unternehmen und lokalen Behörden. Milliardenschwere Branchen wie die Minen-, Öl- und Holzindustrie werden häufig in besonderer Weise von Regierungen protegiert, der Informationsfluss über skandalträchtige, hoch riskante Fördertechniken und umweltschädigenden Rohstoffabbau unterdrückt.

Weiterlesen

29 Apr 2010

Umweltschutzverbände behaupten, dass Elektroautos den Klimaschutz nicht voran bringen

Keine Kommentare Auto und Mobilität, neue Technologien, Umwelt und Klima

Vor undifferenzierter Euphorie zur Elektromobilität warnen die führenden Umweltschutzverbände und fordern die Bundesregierung zu einer realistischen Betrachtung von Elektrofahrzeugen auf. Die von Regierung und Industrie angepriesenen Elektrofahrzeuge bringen weder den Klimaschutz in den nächsten zehn Jahren voran, noch lösen Elektroautos die Verkehrsprobleme von heute. Greenpeace Deutschland, NABU, Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die Klimaschutzziele ins Zentrum der Verkehrspolitik zu stellen und in der Nationalen Plattform Elektromobilität nicht weiter einseitig den Interessen von Auto-, Chemie- und Stromkonzernen zu folgen.

Die Umweltschutzverbände appellieren an Kanzlerin Merkel, die geplanten Milliardensubventionen für die Industrie stattdessen zielgerichtet in klima- und umweltverträgliche Mobilitätslösungen für die gesamte Gesellschaft zu lenken. Die Regierung dürfe die angebliche Entscheidung der Industrie auf Elektromotoren nicht auch noch mit Steuergeld bemänteln, sondern müsse technikneutral die klimafreundlichsten Antriebstechniken befördern.

„Die Autoindustrie lenkt alle fünf Jahre mit neuen Heilsversprechen davon ab, dass sie mit ihrem aktuellen Fahrzeugangebot die EU-Klimaschutzauflagen nicht erfüllt. Jetzt sollen wieder mehrere Milliarden Euro direkte und indirekte Subventionen an die deutschen Autohersteller für ein potemkinsches Dorf der Elektromobilität im Jahre 2020 fließen, während gleichzeitig der Verkauf spritfressender PS-Boliden mit erhöhter staatlicher Förderung weitergeht“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Resch warnte vor einer erneuten „Plünderung der Steuerkassen durch die Autokonzerne“ und forderte die Bundesregierung auf, keine Steuergelder an die Autoindustrie für die Elektromobilität auszuzahlen. Stattdessen solle die Regierung mit einem aufkommensneutral finanzierten Marktanreizprogramm die besonders sparsamen Fahrzeuge unabhängig von der Technologie fördern und Spritschlucker zur Gegenfinanzierung mit einer Strafsteuer belegen. In Frankreich hat sich dieses Bonus-Malus-System ausgesprochen bewährt.

Weiterlesen

06 Apr 2010

Öko-Strom ist nicht immer ökologisch

3 Kommentare Nachhaltiger Konsum, Umwelt und Klima

Eigentlich möchten Verbraucher, die Öko-Strom beziehen, dazu beitragen, dass mehr Energie aus regenerativen Quellen ins Netz kommt. Doch sie bewirken oftmals genau das Gegenteil: Der Umstieg deutscher Haushalte auf Öko-Strom sorgt direkt für den Bau zusätzlicher Kohle- und Atomkraftwerke. Das prangert das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST an. Denn die Strategie einiger Energieversorger ist es zum Beispiel, im Inland Öko-Strom zu vermarkten, der meist bei alten Wasserkraftwerken im Ausland eingekauft wird. Der ausländische Stromproduzent schließt die auftretende Angebotslücke, indem er in neue Kohle- oder Atomkraftwerke investiert. Es gibt noch eine andere Art der Schönfärberei, die Jürgen Stellpflug, Chefredakteur des ÖKO-TEST-Magazins, kritisiert: „Manche Stromkonzerne, die alle Arten von Energieerzeugung und maßgeschneiderte Tarife im Portfolio haben, bieten zwar der wachsenden Zahl von grünen Verbrauchern Öko-Strom an. Doch das geht auf Kosten des restlichen Energiemix, der einfach weniger Öko-Strom beinhaltet.

Dennoch gibt es auch Stromtarife, die durchaus empfehlenswert sind. Öko-Stromanbieter wie Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace, Genial Grün, Naturenergie und Naturwatt heben sich als reine Ökostrom-Anbieter durch einen breit ausgelegten Öko-Energiemix mit neuer Technologie von der Masse ab.

Bei der Auswahl eines neuen Energieanbieters rät ÖKO-TEST Verbrauchern, sich umfassend über die Herkunft des Stroms zu informieren. Blumige Beschreibungen sollte man nicht akzeptieren, denn hinter dem Begriff „regenerative Stromquellen“ kann sich vieles verbergen wie 100 Prozent Wasser. Ob das Wasser aus alten abgeschriebenen Anlagen oder aus neuen Wasserwehren kommt, hier sind die Aussagen der Hersteller oftmals wenig detailliert.

Das ÖKO-TEST-Magazin feiert 25-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass finden Leser in der aktuellen April-Ausgabe noch mehr Tests als sonst. Das Heft kostet 3,80 Euro und ist seit dem 26. März 2010 im Zeitschriftenhandel erhältlich.